Verein plädierte für den Ausgleich der Kosten
Ganz neu ist der Ruf nach einem sogenannten Differenzkostenzuschuss für die betroffenen Familien nicht. Doch hatten Vereinschefin Petra Niquet und ihre Mitstreiterinnen die nach ihrem Dafürhalten längst überfällige Novelle der 16 Jahre alten Regelung zum Anlass genommen, die Belange der Familien erneut in den Fokus zu rücken. Nach Gesprächen mit Bürgermeister Jörg Lembke und Bürgeramtsleiter Thomas Sobczak hatte die Verwaltung eine Novelle erarbeitet, die im Ausschuss nun zur Abstimmung vorlag.
Punktsieg: Ab 2019 wird der Nachteil kompensiert
Im Sinne der Eltern erlangte der Verein gewissermaßen einen Punktsieg, da sie ab Januar 2019 einen Anspruch auf Förderung haben. Sie sollen dann maximal den „höchsten jeweils durchschnittlich gültigen Elternbeitrag der Oldesloer Kindertagesstätten je nach Betreuungsstunde“ gezahlt bekommen. Dem stimmten die Ausschussmitglieder ebenso geschlossen zu wie der Freigabe von 37 000 Euro, die benötigt werden, um den Ausgleich zu finanzieren.
Offen blieb jedoch, wie mit den Belangen der Pflegepersonen selbst verfahren werden soll. Denn wie Monika Lahrsen schilderte, hat der Kreis Stormarn seit 1. August den Bruttosatz pro Betreuungsstunde erhöht, an den jede Tagesmutter jetzt rechtlich gebunden ist. Dies geschah offenbar, um Tagesmütter in Bezug auf Rente sowie Kosten für Fortbildung, Spielzeug, Essen und andere Auslagen besserzustellen. Je nach Qualifikation – ob einfache Tagesmutter mit oder ohne Fortbildung oder ausgebildete Erzieherin – liegt die Zahlung jetzt zwischen 4,20 und 4,90 Euro. Was eigentlich gut gemeint sei, kollidiere aber mit dem Zuschussmodell, das die Stadt Bad Oldesloe zugrunde lege, erklärte Monika Lahrsen den Ausschussmitgliedern. Zusammengenommen führten sie sogar zur Verzerrung und Verschlechterung der Lage.
Absurd: Weniger Förderung für qualifiziertes Personal
Wie die Tagesmutter berichtet, hatte die Stadt die Tagespflege bis dato mit einer Summe von 165 Euro pro Monat unterstützt. Nach der vom Kreis festgelegten Gebührenerhöhung wolle die Stadt nun aber keine Betreuer mehr unterstützen, die als qualifizierte Kraft auf einen Stundensatz von 4,90 Euro hochgestuft wurden. „Das ist doch aber absurd. Man wird so bestraft, wenn man eine besondere Qualifikation hat und sich nach wie vor weiterbildet“, kritisierte sie während der Ausschusssitzung. Sie gab auch zu bedenken, dass nun nicht nur einfache Tagesmütter ohne weitere Fachkenntnisse bevorzugt behandelt würden, sondern auch solche, die nur wenige Kinder betreuen und somit auch von Hause schon geringere Auslagen hätten.
Konfrontiert mit dieser sehr komplexen Ausgangslage zogen es die Ausschussmitglieder vor, diesen Punkt der neuen Richtlinie noch einmal ausgiebig auf einer späteren Sitzung zu diskutieren. So wird voraussichtlich am 28. November erneut im Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss über die Förderung der Tagespflegepersonen gesprochen.
Dorothea von Dahlen
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